Dach statt Decke

Bei der Dachdämmung eines Mehrfamilienhauses in Tübingen war die bauphysikalisch bessere Lösung auch unter Kostenaspekten ausgesprochen attraktiv.

Eigentümergemeinschaften tun sich in der Regel mit der energetischen Sanierung ihres Wohngebäudes schwer. Meist findet überhaupt keine Verbesserung des Energiestandards statt, weil ein relevanter Teil der Eigentümer den Sinn einer Zusatzdämmung bezweifelt oder mit Blick auf die Kosten dagegen stimmt.
Allerdings sind auch viele Eigentümergemeinschaften von den Vorgaben der EnEV 2014 betroffen, und die schreibt zwingend vor, dass die Decke zu einem ungedämmten Altbau-Dachgeschoss den Mindestwärmeschutz nach DIN 4108-2 zu erfüllen hat. Wo dies nicht der Fall ist, muss nachträglich gedämmt werden. Dabei macht es Sinn, den Altbau vorab genau zu prüfen: Denn unter Umständen kann es besser sein, nicht die oberste Geschossdecke, sondern das Dach zu dämmen.

Dach oder oberste Geschossdecke?
Genau diese Alternativen galt es auch bei zwei Mehrfamilienhäusern in Tübingen abzuwägen. Dabei sprach für die Dämmung des Dachs, dass seine Eindeckung bereits 60 Jahre alt war und schon erste Schäden aufwies. In absehbarer Zeit stand also ohnehin eine Dacherneuerung an, und auch bei den verklinkerten Kaminköpfen gab es Sanierungsbedarf, weil die Fugen teilweise ausgerissen waren. Es bot sich also an, die Dacherneuerung etwas vorzuziehen und die Dämmung des Dachs kostengünstig damit zu kombinieren.
Auch die Konstellation im Dachgeschoss sprach für die Dämmung des Dachs. Da die Eigentümer diese Ebene als Speicher nutzen, hätte man ihre Lattenverschläge bei einer Dämmung der obersten Geschossdecke an die neue Geschosshöhe anpassen müssen. Auch die Türen zwischen Treppenhaus und Dachraum hätte man erneuern müssen. Beide Maßnahmen hätten die Kosten für eine Sanierung der obersten Geschossdecke in die Höhe getrieben.
Energieberater Walter Butscher schlug der Eigentümergemeinschaft deshalb eine Aufdachdämmung vor: "Das ist bauphysikalisch die bessere Lösung, und die Kosten waren dank der besonderen Konstellation nur unwesentlich höher." Seiner zusätzlichen Empfehlung, in einem Zug auch die Fassade zu renovieren, folgte die Eigentümergemeinschaft nicht. Aus Sicht von Walter Butscher bedauerlich, "weil man sich auf diese Weise die Kosten für das Gerüst gespart hätte, wenn die Fassade in fünf bis sechs Jahren ohnehin renoviert werden muss. Aber eine Kombination beider Maßnahmen war von den Kosten her nicht umsetzbar und wurde abgelehnt."

PU passte optimal zur Konstellation
Die GSW Sigmaringen, die das Anwesen im Auftrag der Eigentümer verwaltet, beauftragte Butscher mit der Bauleitung und mit der Ausschreibung für das Projekt.
Bei letzterer gab Butscher als Dämmstoff LINITHERM PAL N+F von Linzmeier vor, weil ihm diese Dämmung unter den gegebenen Umständen als besonders geeignet erschien: "Das leichte Material bietet statische Vorteile bei alten Dachkonstruktionen, die nicht viel an zusätzlichem Gewicht verkraften. Außerdem handelt es sich um einen effizienten Dämmstoff mit niedriger Wärmeleitfähigkeit (λD 0,022 bzw. λB 0,023 W/(mK)), der eine hohe Dämmwirkung bei schlankem Dachaufbau ermöglicht."

Mit einer speziellen N+F-Klemm-Pressverbindung lassen sich die Dämmelemente schnell verlegen, Rasteraufdrucke auf der beidseitigen Alukaschierung erleichtern den passgenauen Zuschnitt, der sich mit üblichen Baustellenwerkzeugen bewerkstelligen lässt.
Beides wirkt sich positiv auf die Verarbeitungszeiten und damit auch auf die Kosten aus: "Für eine Eigentümergemeinschaft, bei der das Thema Kosten immer im Vordergrund steht, ist das eine optimale Lösung. Besonders auf großer Fläche – hier waren es rund 600 m² – ist LINITHERM PAL N+F eine kostengünstige Dämmvariante.
Dies umso mehr, als ich direkt nach dem Verlegen eine homogene, effiziente Wärmedämmung ohne Wärmebrücken auf dem Dach habe, dessen konstruktive Elemente alle im warmen Bereich liegen. Da diese Dämmschicht auch kurzen Regenschauern standhält, spare ich bei wechselhaften Wetterbedingungen einiges an Zusatzaufwand." In Verbindung mit einer zum LINITHERM-System gehörenden Nageldichtung können die Dämmelemente darüber hinaus als Behelfsdeckung nach den Vorgaben des ZVDH fungieren.
Nachwachsende Dämmstoffe sind nach Erfahrung von Walter Butscher "bei Eigentümergemeinschaften wegen der Kosten und oft auch wegen der Statik kaum einsetzbar, bei einer Zwischensparrendämmung hätte das Aufdoppeln der Sparren und das Einziehen einer zusätzlichen Decke für erhebliche Kosten gesorgt. Deshalb war bei dieser Konstellation eine PU-Aufdachdämmung die optimale Lösung."

Verzögerungen wegen schlechtem Wetter
Tobias Henke, dessen Zimmerei bei der Ausschreibung den Zuschlag für die Dachsanierung bekam, sieht das ganz ähnlich: "Zwar sind die LINITHERM PAL N+F-Dämmelemente für sich allein genommen nicht unbedingt günstig, aber durch die rationelle Verarbeitung gehören sie zu den kostengünstigsten Dachdämmungen. Deshalb arbeiten wir regelmäßig mit LINITHERM PAL N+F, wo niedrige Baukosten gefragt sind.
Hier spart man nicht nur Zeit und Geld, weil die Elemente schnell zu verlegen sind. Man hat zusätzlich auch eine Materialersparnis, weil man Abschnitte, wie sie an Kehlen, Gauben oder Dachrändern entstehen, wenden und auf der gegenüberliegenden Seite weiterverwenden kann.
Hinzu kommt die gute Dämmwirkung bei schlankem, leichtem Aufbau, weshalb wir diesen Dämmstoff immer auch dann einsetzen, wenn wir bei der Höhe des Dachaufbaus wenig Spielraum haben. Das war im Feuerhägle zwar nicht der Fall, aber da es hier vor allem um die effiziente Reduzierung der Heizkosten ging, war die niedrige Wärmeleitfähigkeit ein entscheidendes Argument."
Komplizierte Details hatte die Zimmerei im Tübinger Feuerhägle nicht zu bewältigen. Zu beachten hatte sie lediglich ein Brandschott zwischen den beiden Gebäuden, in dessen Umfeld sie einen nichtbrennbaren Dämmstoff einsetzen musste.
Dementsprechend zügig gingen die Arbeiten voran, die mit dem Entfernen der alten Eindeckung und dem Ausräumen der in manchen Speichern vorhandenen Zwischensparrendämmung begannen. Anschließend verlegten die Zimmerer die L+D-Folie, die beim LINITHERM-System als luftdichte Ebene fungiert.
Als Dämmung über der Folie kamen in Tübingen 120 mm starke LINITHERM PAL N+F-Dämmelemente zum Einsatz, die bereits für sich allein genommen einen U-Wert von 0,18 W/(m²K) errechnen. Linzmeier bietet die Dämmelemente in Stärken zwischen 80 und 240 mm an, die U-Werte liegen zwischen 0,26 und 0,09 W/m²K.
Insgesamt dauerten die Umbaumaßnahmen in Tübingen inklusive Lattung, Neueindeckung und Erneuerung der Kaminverwahrungen runde acht Wochen. Sowohl Walter Butscher als auch Tobias Henke sehen hier allerdings Luft nach unten: "Dass es so lange dauerte, lag am wechselhaften Wetter, das uns immer wieder zu Pausen zwang. Normalerweise hätte ein solches Projekt nach sechs Wochen abgeschlossen sein müssen."

Folgeprojekt im Nachbarhaus
Dass die von Walter Butscher für das Feuerhägle gewählten Lösungen überzeugten, sieht man daran, dass er derzeit einen Folgeauftrag in zwei baugleichen Nachbarhäusern bearbeitet. Auch hier geht es um die Dacherneuerung, im Unterschied zum ersten Projekt ist aber auch ein neuer Anstrich für die Fassade geplant.
Eine Fassadendämmung kam aber auch beim neuen Projekt nicht in Frage: "Das ist aus energetischer Sicht zwar bedauerlich, aber auch verständlich. Denn inzwischen sind die Anforderungen so hoch, dass ich es immer mehr mit Menschen zu tun habe, welche die Kosten für eine volle Sanierung ihres Wohnhauses nicht mehr stemmen können. Das gilt nicht nur für Eigentümergemeinschaften, sondern auch für private Bauherren."
Angesichts der gestiegenen Anforderungen empfiehlt Butscher deshalb eine Sanierung in mehreren Schritten: "Das ist für die Bauherrschaft akzeptabel und finanzierbar, damit mache ich als Energieberater sehr gute Erfahrungen. Auch so kriegt man einiges hin, auch wenn es langsamer geht und etwas länger dauert."

Text und Fotos: Dr. Joachim Mohr, presse für profis, Tübingen


Beitrag als PDF


Weitere Informationen zu den verwendeten Produkten:
Dachdämmung LINITHERM PAL N+F





Zurück



Unsere Firmenanschrift

Linzmeier Bauelemente GmbH
Werk Riedlingen

Industriestraße 21
88499 Riedlingen
T +49 7371 1806-0
F +49 7371 1806-96
Anfahrt

Linzmeier Bauelemente GmbH
Werk Königshofen

Schortentalstraße 24
07613 Heideland
T +49 36691 722-0
F +49 36691 722-20
Anfahrt